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Über meinen Schatten

Grüne Streifen strichen im Eiltempo an der Glasscheibe vorbei. Ab und zu manifestierten sich Windräder, Windmühlen, Häuser und Strassen. Manchmal strich ein Sonnenstrahl über mein Gesicht. Von der hinteren Sitzreihe klang das aufgeregte Schnattern eines Kindes durch, neben mir hörte ich das regelmässige Atmen eines Schläfers. In meiner Brust und Magengegend fühlte ich ein ziehen, ein schwacher Abklatsch eines verblassten Gefühls, das ich schon einmal gefühlt habe: Liebeskummer. Nur diesmal breitete sich das Gefühl nicht aus, weil ich einen geliebten Menschen verliess, sondern weil ich eine geliebte Zeit und die dazu passenden Orte verliess. Man könnte es auch Fernweh nennen.  Ich weiss, jeder zweite der ein Instagram Profil besitzt, beschreibt sich selbst als „Traveller“, „World Explorer“ oder als jemanden den das Fernweh plagt. Attribute, welche in unserer heutigen Gesellschaft als selbstverständlich gelten, damit man nicht als Stubenhocker verurteilt wird. Aber ich glaube, d...
We carry these things inside us That no one else can see They hold us down like anchors They drown us out at sea. Bring me the horizon - Chelsea Smile

Bilder vor der Brust

Manchmal gibt es Dinge über die kann man nicht schreiben. Es wäre eine Wohltat, wenn man es könnte. Ich wünschte ich könnte diese Dinge durch diese Zeilen niederschreiben. Aber sie sind in mir selbst gefangen. Dabei würde ich sie so gerne loslassen. Wegstossen, fliegen lassen, neue Licht und Wärme ins Herz lassen. Manchmal kommt es mir vor, als wären diese Dinge ein gerahmtes Bild, welches vor meiner Brust hängt. Ich liebe dieses Bild. Als es zu mir kam, fühlte ich mich besser denn je - und ich dachte es würde für immer bei mir bleiben. Aber nun kann ich nicht richtig atmen, mich nicht richtig bewegen, weil es immer noch da hängt. Seltsamerweise kann ich dieses Bild aber nicht beschreiben. Es hängt da, ich sehe es, doch ich weiss eigentlich nicht was es darstellt. Wenn ich versuche es anderswo aufzuhängen, fällt es hinunter. Oder es schleicht sich wie durch Zauberhand wieder an eine Wand, die ich immer im Blick habe. Selbst wenn ich es aus dem Fenster stosse, scheint es wieder zu mir z...
Its like you're the last  train of the day to take me home. But I never make it. I always miss you. 

Ohne Rücksicht auf Leser

Als Blogger stösst man irgendwann an gewisse Grenzen. Diese Grenzen sind beispielsweise erreicht, wenn man sich während des Schreibens fragt, ob man diese Formulierung, dieses Thema, diesen Gedankengang nicht irgendwie, irgendwo irgendwann schon mal verwendet hat. Gefährlich. Ein Zeichen von Langeweile, der Verlust von Kreativität.  Andere Grenzen liegen in der Reichweite von Blogs. Ein Dilemma eigentlich, denn jeder Blogger (oder zumindest ich) wünscht sich, gelesen zu werden, und so viele Leute wie möglich zu erreichen. Gleichzeitig wird die Freiheit eingeschränkt - dann nämlich wenn zunehmend Personen den Blog lesen, die einen persönlich kennen. Sie könnten ja im jeweiligen Text vorkommen, und sich beleidigt fühlen, über die Art und Weise wie sie beschrieben werden. Ein Dilemma eigentlich, denn auf der einen Seite sollen so viele Personen wie möglich die eigenen Texte lesen, aber eigentlich doch niemand - damit man weiter ungehemmt erzählen und kommentieren darf. An diesem Pun...

Desire

von oben dringt wunderschöne  Klaviermusik durch die Wand nur die Augen schliessen und für einen Moment  ganz nah sein die Töne tragen die  Sehnsucht ganz tief ins Herz und in die Träume erinnern tut weh denn die Töne tragen dich gleichzeitig weg weg  weg  über den Ozean ins Land der Vergangenen zu schön um wahr zu sein.

Die Meisten von uns

Der Zug rast durch die Nacht trotzdem scheint alles verlangsamt   Im spiegelnden Fenster das eigene Gesicht    In den Ohren sanfte Klänge   Vorbei an all den hellerleuchtenden Wohnzimmern   und unbesorgten Menschen. Wenn ihr atmen könnt, gehört ihr zu den Glücklichen weil die Meisten von uns durch verdorbene Lungen atmen Wenn ihr leiden könnt, gehört ihr zu den Glücklichen denn die Meisten von uns haben keine Gefühle mehr Wenn ihr lieben könnt, gehört ihr zu den Glücklichen denn die Meisten von uns sind verbittert  Gehört ihr zu den Glücklichen? Oder lebt ihr euer Leben in der Scheinwelt  der hellerleuchteten Wohnzimmer, so wie die Meisten von uns? Im Zug geht das Licht aus Die Musik in den Ohren verklingt Es wird langsam kalt.